Ein aufstrebender Imperator im Kreuzzug gegen das Manavolk, eine längst vergessene Macht und zwei Helden deren Schicksal eng ineinander verwoben scheint. Mit Sword of Mana für den GBA nimmt die Geschichte um den Manabaum und das heilige Schwer erneut ihren Anfang und fand jüngst mit Children of Mana ihre eigentliche Fortsetzung. Schon der hierzulande unter den Namen Mystic Quest erschienene Erstling der Serie legte mit der Geschichte um den verzweifelten Kampf zweier Helden gegen ein ganzes Imperium den Grundstein für die beliebte Manaserie. Das Remake erschien 2003 und wurde von Brownie Brown entwickelt, welche zuletzt mit Magical Starsign und Heroes of Mana auf dem DS ihren Einstand feierten. Lohnt sich die Reise für Neueinsteiger und alteingesessene Abenteurer auch heute noch?

Story und Charaktere:

Während ihr in Mystic Quest die Geschichte aus der Sicht des Helden erlebt habt beginnt euer Abenteuer in Sword of Mana mit der Wahl einer der beiden Charaktere. Als Held behauptet ihr euch am liebsten mit der gezückten Klinge, wobei ihr mit der Heldin eher auf die magische Kraft der Manageister setzt. Nicht nur, dass das Urspiel um einige Handlungsstränge und Charaktere, welche zum Teil auch in anderen Teilen der Serie einen Auftritt haben, erweitert wurde, in Sword of Mana könnt ihr es mit der Heldin aus einer fast völlig neuen Perspektive Spielen. Zwar seid ihr die meiste Zeit als Duo unterwegs doch ab und zu trennen sich die Wege euer Protagonisten und je nachdem welchen Charakter ihr Anfangs gewählt habt bekommt ihr nun andere Einblicke in die serientypisch durch Textboxen erzählte Story. Diese präsentiert sich zwar flott und recht spannend, lässt aber einiges an Charme vermissen und bietet derweilen schon mehr Pathos als wirklich nötig. Vor allem die Charaktere wirken zu blass, brav und glatt poliert um sich einen langfristigen Platz im Herzen der Spieler zu sichern. Anno 1990 war man zwar noch weit entfernt von ausufernden Gesprächen und tiefgründigen Charakteren, wie sie heute in fast jedem Rollenspiel zu finden sind, aber eben diese Tiefe wäre bei Sword of Mana nötig gewesen um der ansonsten schmackhaften Geschichte um Hoffnung, Verrat und Schicksal die richtige Würze zu geben.

Score: 7

Grafik:

Wesentlich mehr hat sich mit dem Remake bei der Grafik getan. Seid ihr früher noch durch eine marginal gestaltete Welt aus Graustufen gereist erwarten euch jetzt variantenreiche und äußerst farbenfrohe Landschaften, Dungeons und Charaktere im Stil vergangener Manaspiele. Auch die Dialoge wissen mit ansehnlich gezeichneten Charakterportraits zu gefallen und sogar Personen von eher geringer Wichtigkeit können mit einem Charakterportrait aufwarten, das bietet nicht jedes Spiel. Des weiterem ist die Welt von den serientypischen Gegnern besiedelt, welche in Sachen Vielfalt und Gestaltung dem Rest der Grafik in nichts nachstehen und auch mit ihren Animationen zu überzeugen wissen. Lediglich die mickrigen Zauberanimationen hätten einen Tick spektakulärer ausfallen können. Spiele wie Golden Sun haben gezeigt, was da auf dem GBA möglich ist. Die Entwickler haben sich aber sichtlich Mühe gegeben und somit gibt Sword auf Mana auf dem GBA eine tolle Figur ab und macht die Grafik zu einem Höhepunkt des Spiels, auch wenn sie den GBA nicht bis an seine Grenzen treibt.

Score: 8

Musik:

Veteranen der Serie fühlen sich sofort heimisch wenn es um die musikalische Untermalung des Abenteuers geht. Schon der Startbildschirm kann mit einer an GBA Verhältnisse angepassten Neuauflage des Mystic Quest-Theman aufwartet. Mit vielen alten Stücken und Neukompositionen weis der Titel auf musikalischer Seite zu punkten und hält von dramatischen bis heroischen Stücken ein breites Spektrum an Melodien bereit. Diese sind zwar meist nicht so erinnerungswürdig wie die Stücke älterer Teile, unterstreichen eure Reise aber gekonnt und stets passend ohne dabei aufdringlich zu wirken. Bei den Soundeffekten läuft es da weniger rund. Während einige hübsche Soundeffekte aus dem Boxen des GBA erklingen motivieren andere zum leiser drehen. Darüber lässt sich aber dank des atmosphärischen Soundtracks hinwegsehen.

Score: 8

Gameplay:

Zwar versteht sich Sword of Mana als Remake des ersten Teils, der Entwickler Brownie Brown ließ es sich jedoch nicht nehmen und schmiedete ein regelrechtes „Best of“ der vergangenen Spiele. Viele Elemente werden Veteranen der Serie bekannt vorkommen. So wird sich in Städten mit neuen Items und Rüstungen ausgerüstet und an den wohlbekannten Engelsstatuen gespeichert. Tag und Nacht-Wechsel und das damit verbundene wechselnde Gegnerverhalten sowie die verschiedenen, den unterschiedlichen Manageister gewidmeten, Wochentage ließen sich schon bei Seiken Densetsu 3 bestaunen und ein Tagebuchführenden Kaktus, ein Monsteralbum, das Schmieden und verbessern von Waffen sowie das Kreuzen von verschieden Samen für Schmiederohstoffe kennen Fans aus Legend of Mana und auch die 8 Manageister geben ihren Einstand. Brownie Brown hat viel daran gesetzt das doch recht simple Spielprinzip des Serienerstlings durch die vielen Ideen aufzuwerten und das ist mehr als gelungen, wartet aber auch mit einigen Designpatzern auf.
So dauert ein Tageszyklus nur wenige Bildschirme und wechselt mitunter nach jedem Bildschirm die Tageszeit. Dadurch wirkt die Spielwelt eher befremdlich als euch tiefer in sie eintauchen zu lassen und macht auch einige andere Features im Spiel recht sinnlos. Warum soll ich einen anderen Manageist wählen wenn ein paar Schritte weiter schon der nächste Wochentag lauert? Die aus Legend of Mana bekannten Features kommen da reichlich überlegter daher. Sich eigene Waffen aus selbst angebauten oder gefundenen Rohstoffen zu schmieden macht Spaß, motiviert und wirkt keineswegs überladen. Doch obwohl sich dies alles klasse in das Spielgeschehen integriert bleibt es reichlich unnötig da Sword of Mana sich mit seinem moderaten Schwierigkeitsgrad recht einfach gestaltet und euch zu keiner Zeit überfordern wird. Zwar ist somit zügiges Vorankommen garantiert aber ein bisschen mehr Herausforderung hätte es schon sein dürfen. Vor allem einige Endbosse beißen lachhaft schnell ins Grass und das nimmt den Kämpfen viel von ihrer Spannung. Diese gestalten sich dennoch mit 8 verschiedenen Waffen und der Hilfe der verschiedenen Manageister angenehm abwechslungsreich. Mit dem A-Knopf schwingt ihr eure Waffe wobei längeres gedrückt halten eine Spezialattacke auslöst sofern ihr die nötige Energie durch das Besiegen der Gegner erlangt habt. Ähnlich verhält es sich mit dem Beschwören der Manageister. Während ihr durch kurzes drücken der R-Taste ein Angriffszauber des von euch ausgewählten Manageistes auslöst, welcher in seiner Form durch die von euch gewählte Waffe bestimmt wird, veranlasst ein längerer Druck auf die R-Taste ihn zu einem Unterstützungszauber der je nach Manageist von Erhöhung der Angriffskraft bis zu Heilung euer Protagonisten variiert. Da sich sowohl Gegner als auch Orbs, welche ab und an euer Vorankommen blockieren, nur durch bestimmte Waffen und Zauber vernichten lassen kommt auch so schnell keine Monotonie im Kampfgeschehen auf. Wer nur auf sein Schwert vertraut wird es kaum zum Finale schaffen. Leider gestaltet sich das Wechseln der Waffe mitunter etwas nervig. Sind mehrere verschiedene Gegner auf dem Bildschirm kann es durchaus sein, dass der eine nur durch eine bestimmte Waffenart besiegt werden kann während der andere nun von dieser Waffe völlig kalt gelassen wird. Das führt mit unter zum ständigen aufrufen des Ringmenüs und bremst das an sich flotte Spielgefühl etwas aus.
Neben dem gelungen Kampfsystem überzeugt auch das Levelsystem eurer Helden. Während eure Zweitfigur im Level automatisch steigt könnt ihr nach einem Aufstieg aus 5 Klassen wählen und eure Punkte dementsprechend verteilen lassen. Habt ihr eine Klasse oft genug gelevelt steigt ihr in dieser auf und erlangt noch einmal zusätzliche Fähigkeiten. Auch eurer Waffen und Zauber können Levels steigen. Hierbei gilt je öfter ihr sie benutzt, umso stärker werden sie. Launigen Levelorgien abseits der Handlung steht also nichts im Wege, sie sind aber dank des einfach gehaltenen Schwierigkeitsgrades nicht dringen nötig.
Ein weniger glückliches Händchen haben die Entwickler beim Mehrspieler bewiesen, wenn man bei Sword of Mana überhaupt davon reden kann. Anfangs als echter Zweispielermodus angekündigt fiel dieser sowie einige andere Features der Schere zum Opfer und wurde ersetzt durch eine Amigopfeife. Habt ihr euch einmal mit dem Modul eines anderen Spielers verbunden könnt ihr seinen Spielcharakter dann durch besagte Pfeife zu Hilfe rufen oder, sofern ihr genügend Amigos gesammelt habt, mächtige Beschwörungen vom Stapel lassen. Das alles ist angesichts der hoch gelobten Mehrspielermöglichkeiten älterer Ableger der Serie leider nicht viel mehr als ein schlechter Witz. Mit den Gegnern werdet ihr spielend alleine fertig und für die mächtigen Speziallangriffe sind lachhaft viele Amigos von Nöten. Die Amigopfeife ist so überflüssig wie sinnfrei und kann getrost ignoriert werden. So bleibt Sword of Mana wie schon das Original ein reines Soloabenteuer, wobei ihr aber stets per Druck auf die Select-Taste zwischen den Helden hin- und herschalten könnt. Während sich das Fehlen eines echten Mehrspielerparts noch verschmerzen lässt, sorgt die KI-Unterstützung zuweilen für Frust. Zwar könnt ihr auf dem bekannten Schachbrettfeld das Verhalten euere Mitstreiter einstellen doch diese verhalten sich permanent mehr als dämlich. Sie verschwenden sinnlos ihre Magiepunkte mit unnützen Aktionen, greifen Gegner an, welche sie mit ihrer Waffe oder Zauber nicht besiegen können und sterben ein Bildschirmtod nach dem Anderem. Das lässt euch eher über sie lachen als sie für ernsthafte Weggefährten zu halten und so will leider kein richtiges Partnergefühl aufkommen. Nur allzu schnell werdet ihr auf ihre Hilfe verzichten wollen und können.
Das Abenteuer gestaltet sich durch den niedrigen Schwierigkeitsgrad eher kurz und fernab der Haupthandlung gibt es nicht viel zu tun und so findet eure Reise in der Welt von Mana nach ungefähr 15 Stunden dann auch schon wieder ein Ende und die Welt ist erneut vom Bösen befreit. Dabei wird es aber selten langweilig und die Möglichkeit, dass Abenteuer noch einmal aus der Sicht des anderen Charakters zu erleben lässt euch trotz einiger Designfehlschläge sicher noch einmal in diese Welt abtauchen.

Score: 7

Fazit:
Mit der Neuauflage ist es Brownie Brown gelungen, den Klassiker in unsere Zeit zu katapultieren. Sowohl alteingesessene Profis als auch Genreneulinge werden dank alter und neuer Elemente sicher ihre Freude mit dem Modul haben. Präsentation und Abwechslungsreichtum wissen zu gefallen, können aber nicht über die etwas platte Story und die stumpfsinnige KI hinwegtäuschen. Auch die Abwesenheit eines echten Mehrspielermodus ist verschenktes Potential. Dennoch wird euch mit dem Modul reichlich Spielspaß geboten und ihr könnt euch unbesorgt ins Abenteuer stürzen um den Anfang der Mana-Serie neu zu erleben, zumal Sword of Mana mittlerweile recht günstig zu haben ist.

Score: 8

geschrieben von Zakashi