Secret of Mana Secret of Mana 2 Legend of Mana Sword of Mana Children of Mana Dawn of Mana Heroes of Mana
Seiken Densetsu 1

Es klingt ein bisschen so wie im Märchen, eine angeschlagene Firma verwirklicht mit einem letzten Versuch ihre „Finale Fantasie“. Der Rest des Mythos sollte wohl jedem bekannt sein. Final Fantasy hält nicht nur bald mit Teil XIII auf der PS 3 Einzug sonder zog auch eine Reihe von Animeserien, Merchandisingartikeln und weiteren Produkten rund um die Rollenspiellegende nach sich. Im Zuge dieser Erfolgsgeschichte wurde mit Seiken Densetsu, was übersetzt die Legende vom heiligen Schwertes bedeutet, ein Spin-Off gebornen, welches alsbald seinen eigenen Weg in die Herzen der Spieler fand und hierzulande besser unter dem Namen Mystic Quest bekannt ist.
Die Seiken Densetsu Reihe, deren erfolgreichster Ableger Secret of Mana für das SNES jedem Rollenspielliebhaber ein Begriff sein sollte, hielt somit schon 1991 auf dem Gameboy ihren Einstand aber kann das Spiel auch nach über einer Dekade Videospielgeschichte die Herzen der Rollenspieler höher schlagen lassen?

Story und Charaktere:

„Kämpfe!“ Die Einführung in die Welt von Mana ist mehr als deutlich formuliert und somit wird die erste Prüfung in bezwingen der monströses Bestie bestehen. Als Gladiator ist es eure einzige Aufgabe den finsteren Shadow Knight zu unterhalten, bis eines Tages einer eurer Freunde seinen Verletzungen erliegt und ihr aus den Klauen des Imperators, welcher mit einem geheimnisvollen Mann namens Julis die mit Macht über Mana erlangen will, fliehen könnt. Auf der Flucht begegnet ihr einem geheimnisvollen Mädchen und bietet euch ihr als Begleiter an – eure Reise beginnt.
Mystic Quest bot schon damals eine Geschichte voll mit den Verschiedensten Charakteren und Rollenspieltypischen Themen wie Liebe, Verrat und Schicksal. Allerdings ist die Erzählweise bedingt durch die Limitation des Gameboys eher abschreckend als mitreißend. Wo den geneigten Spieler heute atemberaubende und oft auch ausufernd lange Zwischensequenzen mit viel Dialog erwarten bietet Mystic Quest eher die „Light-Version“. Die Geschichte wird in kleinen Textboxen erzählt und die Dialoge sind leider nicht vielmehr als Zweckmäßige Bindeglieder zwischen den Mission und liefern euch zum Teil auch zu wenig Informationen, als das ihr genau wisst wo ihr als nächsten hin müsst und was ihr dort zu tun habt. Oftmals erstrecken sich die Gespräche nicht einmal über mehr als 6 Zeilen und sind zudem sehr unemotional geschrieben. Dadurch bleiben die Charaktere mehr als blas und ein eintauchen in die Geschichte will sich auch nicht so recht einstellen.

Grafik:

Mystic Quest lässt sich sicherlich nicht mehr an heutigen Grafikstandarts messen, weis aber für ein Gameboyspiel zu überzeugen. In bester Zelda-Manier seht ihr das Geschehen aus der Vogelperspektive und erkundet Dungeons, Dörfer und eine Spielwelt, welche von Wälder und mit Gras bewachsenen Ebenen über Sümpfe bis hin zu mächtigen Gebirgen alles bietet, was das Abenteurerherz begehrt. Ähnlich vielfältig wie die Spielwelt gestalten sich auch die Gegner. Vom Schleimmonster über Skorpione bis zum Drachen bietet Mystic Quest eine Vielzahl an Widersachern und auch die Charaktere sind für Gameboyverhältnisse mehr als gelungen. Die Entwickler haben sich also sichtlich Mühe gegeben, lediglich die Menüs kommen etwas trostlos daher.

Musik:

Musikalisch hat es sich bei Mystic Quest ähnlich wie mit der Grafik. Die Titelmelodie ist einprägsam und findet sich so in Neuauflagen in diversen neuen Manaabenteuern wieder und auch der Rest der musikalischen Untermalung ist in sich stimmig, hat aber aus heutiger sicht mit der beschränkten Soundfähigkeit des Gameboys zu kämpfen.

Gameplay:

Mystic Quest räumt mit den alteingesessenen japanischen Rollenspielformeln gehörig auf. Ihr seid nicht als Team unterwegs sondern bestreitet die Reise meist alleine. Zwar steht euch des Öfteren ein Teamkamerad zu Seite, dieser verhält sich aber alles andere als geschickt. Auch gekämpft wird nicht in Zug um Zug sondern ähnlich wie in der Zelda-Reihe bringt ihr die Monster in Echtzeit zur Strecke. Dabei Nutzt ihr einen Knopf fürs Schlagen während der andere mit Items oder Zaubern belegt werden kann.
Mystic Quest lebt dabei ganz klar von seiner Vielfalt in Sachen Kampf und Rüstung. Ihr entdeckt im Laufe eueres Abenteuers immer bessere Ausrüstung und Items und auch euer Reportiar an Waffen steht dem im nichts Nach. Im Laufe eurer Mission zu Rettung von Mana gesellen sich neben Schwert unter anderem noch eine Axt, eine Sichel und eine Peitsche zu eurer Waffenkammer hinzu. Dabei lassen sich damit nicht nur lästige Gegner vom Hals halten, sondern auch Spezialfunktionen auslösen. Mit der Axt fällt ihr zum Beispiel Bäume, die euer weiterkommen verhindern, während ihr euch mit der Peitsche über Schluchten schwingt. Ähnlich wie Rüstungen lassen sich auch die Waffen im Laufe eueres Abenteuers aufbessern. Die Liste der Möglichkeiten wird durch einige Zauber wie Angriffs- und Heilungszaubern komplettiert. Auch die Kämpfe gestalten sich verhältnismäßig abwechslungsreich. Einige der Widersacher springen nur auf Angriffszauber an während Andere wiederum nur durch den Einsatz eurer Waffen das Zeitliche segnen. Genretypisch erhaltet ihr für besiegte Monster Erfahrungspunkte und könnt bei einem Levelaufstieg eine von 4 verschiedenen Kategorien wählen in der ihr euer Können dann verbessert, bedingt durch die leicht unübersichtliche Menüführung ist aber nie ganz ersichtlich, welchen der typischen Werte wie HP oder MP ihr mit den 4 Talenten verbessert.
Leider steht der Vielfalt des Kampfsystems ihre Ausführung und damit Mystic Quests größter Kritikpunkt gegenüber. Des Öfteren erhaltet ihr kein Feedback ob ihr den Gegner nun getroffen habt oder nicht und, was wesentlich fataler ist, wenn euch der Gegner trifft gilt dasselbe. Allzu oft verliert ihr HP und wisst derweilen gar nicht warum euch der Gegner nun getroffen hat, wobei schon eine simple Berührung reicht. Mystic Quest ist schon so kein einfach Spiel aber nicht selten fühlt man sich nicht schuldig am Ableben des Helden. SquareEnix (Damals noch Squaresoft) hat aber zu verhindern gewusst, dass die kleine graue Daddelbox vermehrten Frustanfällen ausgesetzt werden muss. Mystic Quest gibt euch die Möglichkeit das Geschehen wann immer ihr wollt zu speichern. Ein wirklich hilfreiches Feature, von welchen ihr auch des Öfteren gebrauch machen solltet. Es ist fast schon schade, dass diese Speichermöglichkeit nicht Schule gemacht hat.

Fazit:

Ganz gleich ob Gameplay, Grafik oder Story, es wäre schlichtweg unfair, Mystic Quest unter den heutigen Maßstäben noch eine Note zu verpassen, daher habe ich auf die Bewertung verzichtet. Allerdings soll das nicht bedeuten, dass Mystic Quest ein schlechtes Spiel ist. Ob Gegnerdesign, Waffen, Rüstungen oder Zauber, es ist erstaunlich zu sehen, wie viele Elemente der Mana-Serie schon im Erstling vertreten waren. Wer nicht zuviel Wert auf eine ausgefeilte Story legt kann sich dieser Videospielgeschichtsstunde gerne unterziehen und wer es hingegen nicht ganz so „Retro“ mag findet mit Sword of Mana für den GBA ein gelungenes Remake des Klassikers. Mystic Quest fand damals soviel Anspruch, dass auf das einstige Spin-Off noch mehrere Teile folgen sollten. Neben dem erst kürzliche erschienen und doch recht durchwachsenen Dawn of Mana war es vor allem der Nachfolger von Mystic Quest, Secret of Mana, welcher mir und vielen anderen Spieler auch einige der schönsten Rollenspielmomente beschert hat – Danke SquareEnix.

geschrieben von admin